Falscher Hase: „Auch im Internet funktioniert es nicht ohne Beziehungen.“

Der Cyberspace hat ein neues Internet-Phänomen: Falscher Hase. Wer hier digitalen Hackbraten wittert ist auf der falschen Fährte! Aber wer bedachte und überraschende SoundCloud-Sets sucht, liegt beim Falschen Hasen goldrichtig. Falscher Hase aus Frankfurt ist ein Musikkenner. Sein Wissen behält er aber nicht für sich, sondern teilt es auf seiner Facebook-Seite Hörverlesen oder mit seinen Soundcloud-Sets zum freien Download – mit Erfolg: Alleine sein Set „Lebenslänglich“ hat über 300.000 Plays.

Ein Skypeinterview über die von der Musikindustrie unterschätzte Macht des Teilens.

Falscher Hase, du bist ein Internet bzw. SoundCloudphänomen.

Ja irgendwie schon. Ohne SoundCloud und Facebook würde mich heute wahrscheinlich kein Mensch kennen. Weihnachten 2010 habe ich dort meinen ersten Mix hochgeladen und darauf folgend einen Mix pro Monat mit meinen persönlichen Top Ten. Das habe ich über ein halbes Jahr lang gemacht, dann wieder ein halbes Jahr gar nicht. Silvester 2011 habe ich das Set „Lebenslänglich“ online gestellt, um dieses halbe Jahr Pause noch im gleichen Jahr zu unterbrechen. Bis dahin hatte ich knapp über 100 Follower auf Soundcloud und etwa so viele Fans auf der Facebook Fanpage. Dieses Set hat dann alles ins Rollen gebracht und sich sehr schnell verbreitet. Das war für mich ein riesengroßer Push und seitdem habe ich wieder regelmäßig Sets online gestellt. Manchmal wundere ich mich, dass ich so eine starke Fanbase habe, dabei toure ich nicht wie andere DJs um die ganze Welt.

Es heißt, es gibt im Leben einer erfolgreichen Person immer einen anderen Menschen, der der Auslöser des Erfolgs war. Wer hat dein Set „Lebenslänglich“ als Erster für sich entdeckt und dich auf deinen Weg gebracht?

Einer der Auslöser war definitiv Benny von Trndmusik! Ich weiß gar nicht mehr genau, ob ich ihm den Link geschickt habe, oder er das Set entdeckt hat – auf jeden Fall ist es bei ihm gut angekommen und er hat es auf der Facebook-Seite seines Online-Magazins veröffentlicht. Er war ein wichtiger Multiplikator. Über seine Seite habe ich aber seitdem nicht nur viel Aufmerksamkeit bekommen, ich habe dort auch selbst viele gute Sachen für mich entdeckt. Trndmusik ist für mich zu einer der Hauptanlaufquellen für gute Musik geworden. Mit meiner Facebook-Seite Hörverlesen habe ich mir seit letztem Jahr eine eigene Nische mit Musikempfehlungen aufgebaut – dort poste ich aber tatsächlich nur empfehlenswerte Musik, keine Interviews, News oder Verlosungen.

Auf deiner Falscher Hase Page kommunizierst du aber schon mehr als nur deine Sets. Die Seite wirkt sehr persönlich, du teilst zum Beispiel mit, wenn du einen neuen Haarschnitt bekommen hast. Hast du keine Angst zu viel oder zu privates von dir preiszugeben?

Wer definiert denn privat? Das ist für mich situationsabhängig. Ich würde jetzt keine Fotos davon posten, wie ich in der Badewanne liege und Serien schaue, aber habe zum Beispiel – um beim Thema zu bleiben – meine Fans gefragt, welche neuen Serien sie mir anhand meiner Lieblingsserien empfehlen können. Auch ist mir ein Pseudonym lieber als mit echtem Namen im Internet zu agieren. Wenn ich mir die Seiten von manchen anderen DJs anschaue und was sie so posten, ist es manchmal recht einseitig, dabei lassen sich Plattformen wie SoundCloud und Facebook wunderbar für den Dialog nutzen – und dazu gehören zwei Seiten. Ich will meinen Fans nicht das Gefühl geben, dass sie mich unterstützen und dann aber nichts zurückbekommen. Ein gewisser Einblick in das, was ich so mache bzw. woran ich arbeite ist okay, da ich selbst bestimmen kann, was ich preisgeben möchte und was nicht.

So ein bisschen erinnert deine Internetpräsenz und die sich rasend verbreitende Beliebtheit deiner Sets an den Berliner Alle Farben?


Ja manchmal habe ich mich ein wenig gefühlt wie der “kleine” Alle Farben. Allerdings bin ich scheinbar einer der Wenigen, der noch keine Musik selbst produziert hat und sich aber trotzdem über das Internet so eine hohe Reichweite aufgebaut hat.

Eigentlich seid ihr beide ja dann perfekte Vertreter der Remix Culture, über die in den letzten Jahren rege diskutiert wird. Siehst du dich selbst als ein Teil dieser Kultur?

Eher passiv. Ich produziere ja wie gesagt keine neuen Tracks. Da hat mir bisher die Zeit gefehlt. Ich setze nur bestehendes in Form von Mixen neu zusammen. Es gibt aber auch einfach schon so viel und es wird immer schwieriger, etwas wirklich Neues zu erschaffen. Das ist dann die Königsdisziplin. Zu dem Thema hat Benny von Trndmusik eine spannende Diskussion auf Hörverlesen angeregt, indem er angemerkt hatte, dass er diese Edits von berühmten Tracks langsam nicht mehr hören kann. Einige von denen, die solche Edits erstellen, würden ja nur auf einen schon fahrenden Zug aufspringen wollen, um auch ein wenig bekannter zu werden, weil man dann zum Beispiel auf SoundCloud und YouTube besser gefunden wird, wenn jemand nach dem Original sucht. So manch einer scheint um jeden Preis ein Stück vom Kuchen zu wollen.

Du hast aber selbst oft bekannte Tracks in deinen Sets. Zum Beispiel Gotye in dem Set Lebenslänglich?

Ich habe da auch grundsätzlich nichts dagegen, wenn sie gut gemacht sind. Der Track war zu dem Zeitpunkt auch noch nicht so totgespielt, was auch manchmal durch zu viele Edits/Remixe/Bootlegs etc. passiert. Aber irgendwo gibt es da auch eine Grenze, da stimme ich Benny schon zu. Ich entdecke wie er gerne Edits von Tracks, die nicht so bekannt sind und durch die man vielleicht auf einen tollen „Original“-Künstler aufmerksam wird.

Da gerade das Stichwort Edit gefallen ist. Wie ist deine Einstellung zu Urheberrechten?

Natürlich sollte man die wahren! Man kann nicht einfach Musik kaufen, sie dann in bester Qualität auf einen Server zum kostenlosen Download hochladen und damit das Urheberrecht missachten! Das finde ich nicht gut. Wenn man Musik in einem Set verarbeitet, ist das meiner Meinung nach etwas anderes. Sie sind auch als Promo gedacht. DJs leben eben in den meisten Fällen davon, Musik von anderen und nicht nur ihre eigene aufzuführen. So haben aber doch beide Seiten etwas davon – der Produzent und der DJ. Unbekannte Künstler sind in der Regel froh, wenn sie auf diese Weise mehr Aufmerksamkeit bekommen. Es geht darum, dass jemand, der eine große Reichweite im Internet hat, andere mitziehen kann. Manchmal bekomme ich von Künstlern ihre Musik geschickt, um sie zu promoten, in einigen Fällen frage ich auch gezielt nach. Feature ich zum Beispiel einen noch sehr unbekannten Künstler auf Hörverlesen, sieht man schon immer wieder einen messbaren Anstieg der Plays, Fans und Follower. Das freut mich dann auch immer sehr für die Künstler, denn auch im Internet funktioniert es nicht ohne Beziehungen. Am Schönsten ist es Leute zu entdecken, die noch nicht so bekannt aber richtig gut sind!


Falscher Hase spielt am 3. November im Kong bei Club Autonomica in München. Du willst auf die Gästeliste? Dann Like den Artikel und hinterlasse hier ein Kommentar bis Freitag Nacht.

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Mehr von Falscher Hase auf seiner Soundcloud, Hörverlesen oder seiner Facebook Page.

Mehr gute Musik bei Trndmusik.

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Nachtrag 03.11.2012: Mehr Fotos von Falscher Hase im Kong gibt es auf der Club Autonomica Fanpage

Club Autonomica (c) Natalie Mayroth

Club Autonomica (c) Natalie Mayroth

Club Autonomica (c) Natalie Mayroth

There are 25 comments

  1. Dennis Frank

    Yeah, gutes Interview! Bestätigt das Bild von ihm dass man über seine Sets bekommt! Ich freue mich schon seit langem auf den Gig im Kong, werde aufjedenfall da sein am Samstag! Bis dahin, und vielen Dank für die viele viele kostenlose Musik!

  2. Erik

    Ich bin schon seit langer, langer Zeit ein Fan vom Hasen und werde am Samstag extra schon früher hingehen, damit ich nicht plötzlich vor verschlossener Tür stehe, weil’s wohl schon einen enormen Andrang ins (doch relativ kleine Kong) geben wird.
    Da wär ein Gästelistenplatz natürlich schon was feines ;)

  3. Veronika Christine Dräxler

    Wir freuen uns, dass ihr so zahlreich mitgemacht habt! Und sehen uns morgen! Den Gewinner haben wir eben per Email benachrichtet!

  4. Michael

    Hallo, mich würde mal interessieren, wie Du dass mit dem Urheberrecht so handhabst?

    Darf man einfach Songs nehmen, remixen und dann veröffentlichen?

    Wenn nicht, wo kann man sich die Genehmigung dazu holen?

    Irgendwie ist da im Internet nichts brauchbares an Informationen darüber zu finden?

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