Anja Mikula: „Meine Füße, mein Essen, meine Blumen.“

Anja Mikula auf dem Hocker

Anja Mikula ist wie ein Fabelwesen oder eine Figur aus einem Comic. Sie taucht plötzlich auf, sagt kluge Sätze, widerlegt sie vielleicht im nächsten Moment, kombiniert diese mit ihrem schwarzen Humor und verschwindet dann wieder. Ist sie dann weg, hinterlässt sie dabei ein gutes Gefühl und man hofft, dass sie einem bald wieder ins Leben rennt. Tut sie das nicht, kann man zumindest ihre Blogs anschauen und beobachten, was sie den ganzen Tag sieht und einem dann wieder auf den Bildschirm kotzt. Fantasy Telescope ist ihr visuelles Tagebuch und We eat Flowers beschäftigt sich tatsächlich mit Gewächs.

Anja und ich sitzen auf Vicco von Bülows wohl ausrangierter Couch im Cabaret Voltaire in Zürich. Sie beschwert sich, dass man in diesem Dadaismus-Gebäude kein Netz hat und freut sich extrem über einen kleinen Hocker. „Ich liebe dieses Möbelchen“. Sie ist eine der talentiertesten Art Direktorinnen die ich kenne.

Ein Gespräch über Mädchenkram und Tumblr.

Anja, du findest die Bloggerszene unglaublich überschätzt.

Genau. Es gibt eben nur eine handvoll Leute die cooles Zeug machen. Die meisten Anderen werfen dann nur mit diesem coolen Zeug um sich und rebloggen und rebloggen. Da hat ja eigentlich kaum jemand etwas Eigenes dazu beigetragen. Die Welt hat auch nicht auf meine Tumblr gewartet – ich bin auch nichts anderes als eine aus dieser Follower-crowd. Ganz ehrlich, den Scheiß den wir mit unseren Handycameras machen und dann irgendwelche Filter drauf hauen, das interessiert hier im Internet und Tumblr aber auch niemanden.

Ist es dann nicht ein wenig schizophren, dass du selbst zwei Blogs hast?

Nein. Mir geht es darum, zu verwerten, was ich den ganzen Tag Online sehe. Meine zwei Blogs sind für mich eine Plattform, um auf diese Eindrücke zugreifen zu können. Ich habe auf meinem Computer tausend Inspirationsordner mit Unterordnern. Ich habe einen Ordnungswahn. Da machen Tumblr-Blogs Sinn. Außerdem haben wir beim Kinki immer viel gebloggt, als das dann vorbei war, hat es mir doch ein wenig gefehlt und die Leute haben sowieso behauptet, ich bräuchte so etwas. Irgendwann hab ich mich dagegen nicht mehr gewehrt. Und We eat Flowers mache ich zusammen mit einer Freundin, Anna, das ist auch gut. 

Du bist Grafikdesignerin in Zürich. Wo ist denn dein Kram?

Ich gebe meine Sachen nicht im Internet preis, mich nervt dieser Kontrollverlust. Kaum ist es da drin, ist es auch schon weg und jeder kann damit machen was er will. Es gibt ein paar Fotos von mir auf den Blogs. Aber ich bin keine Fotografin.

Was sind dann deine Motive?

Meine Füße, mein Essen, meine Blumen. Sachen die Mädchen gerne fotografieren.

Was wäre, wenn das Internet ausgeschaltet werden würde?

Ha, ich würde einen Schrebergarten haben und meine Nachbarn mit Pingeligkeiten nerven!

Was läuft hier eigentlich richtig falsch?

Richtig und Falsch ist reine Ermessenssache.

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Eindrücke von Anja Mikulas Blogs:

We eat flowers

Fantasy Telescope

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Blueberry von Anja Mikula

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