#26 Vacillica

Selfie – ein so neues und doch nahezu abgenutztes Wort. Aus dem zeitgenössischen Wortschatz und Lebensalltag ist es nicht mehr wegzudenken. Aber die immer gleiche Pose? Wir bitten jeweils Künstler um ein Selbstporträt und ihre Gedanken, die ihnen beim machen durch den Kopf gehen.

Mariya_Vasilyeva_selfportrait_sdsucht„In den Selbstbildnissen geht es nicht um mein Abbild. Mein Körper funktioniert als Medium für ein kleines spielerisches, ironisches Universum, das über Gesellschaft, Schönheit, Frau sein spricht.“

Die auf der Toilette sitzende Frau ist Vacillica, 22, die selbst die Hauptrolle in „New Message“ übernimmt. Ihr Selfie ist eine Fotocollage. In der Ukraine geboren, lebt sie seit 10 Jahren in Deutschland. Sie studiert in der Klasse Klaus vom Bruch Medienkunst an der Akademie der bildenden Künste in München. Sie nutzt als Medien vor allem die Fotografie, Videoinstallationen und die Performance – Darstellerin und Produzentin ist sie zugleich und scheut sich nicht, Haut zu zeigen. „New Message“ ist inspiriert von einem Gemälde des französischen Malers des Rokoko François Boucher, auf dem eine Frau eine geheime Liebesnachricht liest. „Ich wollte eine Karikatur heutiger Liebeskorrespondenz schaffen, die sich an Popsongs anlehnt und sich trotzdem der Romantik bedient. In dieser Collage demonstriert die Erwartung einer SMS die allgemeine Liebessehnsucht, wie es der Franzose Roland Barthes vor 30 Jahren in „Fragmente einer Sprache der Liebe“ kontrastiert hat:

„Die Erwartung ist Verzauberung: Ich habe Weisung erhalten, mich nicht zu rühren. Das Warten auf einen Telefonanruf ist, ad infinitum, ohne dass man es sich einzugestehen wagte, mit kleinen verboten belegt: Ich versage es mir, das Zimmer zu verlassen, auf die Toilette zu gehen, selbst zu telefonieren; ich leide darunter, dass man mich anrufen könnte; ich gerate außer mir bei dem Gedanken, wie nahe der Zeitpunkt ist, wo ich selbst ausgehen muss und damit Gefahr laufe, den erlösenden Anruf zu verpassen, die Wiederkehr der Mutter. All diese Ablenkungen, die mich locken, wären somit für das Warten verlorene Augenblicke, Angstverunreinigungen.“

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