#28 Sara Vrbinc

Selfie – ein so neues und doch nahezu abgenutztes Wort. Aus dem zeitgenössischen Wortschatz und Lebensalltag ist es nicht mehr wegzudenken. Aber die immer gleiche Pose? Wir bitten jeweils Künstler um ein Selbstporträt und ihre Gedanken, die ihnen beim machen durch den Kopf gehen.

Selfie (c) Sara Vrbinc„Fuck – hoffentlich passiert jetzt gleich etwas Gutes mit diesem Pizzastück, weil ich es wirklich sofort essen will! Und überhaupt – schon ein wenig gruselig, dass Leute heutzutage lieber ein Foto von sich selbst machen, als von einem Freund, der daneben sitzt.“

Sara Vrbinc, 23, ist Interaktionsdesignerin. Diese vergleichsweise junge Designdisziplin beschäftigt sich mit der Gestaltung von Mensch-Maschine-Schnittstellen. Im Sommer 2015 hat sie am Londoner Royal College of Art ihren Master mit dem Thema „The Future of Our Spatial Experience – brAInfu.cc“ abgeschlossen. „brAInfu.cc“ ist ein Gegenentwurf zu gängiger Navigation mit Hilfe von Apps über eine glatte Smartphoneoberfläche. „Design kann unsere Beziehung zu Technologie beeinflussen, indem es gezielt Sinneseindrücke unterstützt, erweitert oder ersetzt“, sagt Sara.

Ihr alternatives Navigationssystem, dass sie für ihre Arbeit konzipiert hat, funktioniert über eine Schnittstelle, die direkt über Hautkontakt mit unserem Gehirn kommunizieren könnte: in Form von zwei kleinen, goldenen Hightech-Schmuckkugeln, in die Mikroelektroden und Bioprozessoren eingebaut sind. Die Kugeln bleiben auf der Haut haften und zeigen über Bewegung und Hitze an, ob man richtig geht bzw. wie man auf den richtigen Weg kommt. Kontrollieren könnte man die Funktionen der Kugeln durch festgelegte Fingerbewegungen. Ortung würde nur bei Aktivierung stattfinden. „Ich untersuche die Mittlerfunktion von Design zwischen neuen Technologien, und wie es sich auf unsere Wahrnehmung auswirkt. Aus meinen Erkenntnissen entwickle ich Interaktionsmodelle für kommende Lebenswelten, die das Künstliche nutzen, um die menschliche Intelligenz und kognitive Leistungsfähigkeit zu unterstützen“, sagt sie.

Saras Arbeiten fallen nicht nur durch tief greifende Recherche und innovative Thesen auf, auch die visuelle Gestaltung besticht durch einen ganz eigenen Stil, der sich gegen das allzu gewohnte „Cleane“ dezent trotzig wehrt und einen Hauch von Internet-Pop verarbeitet. Ein Beispiel hierfür? Anfang des Jahres hat sie für die Selbstdarstellungssucht das Logo von Martin Petersen animiert, das noch immer Leser auf dem Blog begrüßt.

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