Lisiena: „Mein Stil folgt keiner Logik, sondern Widersprüchen.“

Lisiena ist in Albanien geboren und lebt in München – sie ist Marke, Malerin, Musikerin, Labelgründerin und Gesamtkunstwerk in einem. Sie ist aber bitte nicht Münchens

Barbie mit Punkattitüde (SZ)

Ein Vergleich mit Barbie-Puppen mag ja verlockend sein – viele Mädchen der späten Achtziger hatten eine oder gleich 20! Aber ob diese Mädchen heute als junge Frau selbst eine Barbie sein wollen? Nach dem Motto „I´m a Barbie Girl, in a Barbie World.“? Mit Plastik-Titten und nichts zu sagen, außer einem verführerischen Lächeln? Lisiena hat vielleicht pinke Haare, aber zum Glück kein Plastikgehirn in ihrem Kopf und im Gegensatz zu Barbie ganz schön viel zu sagen!

Punk als Schublade zu öffnen und Lisiena hineinzustecken ist ein wenig voreilig. Bedeutet Punk ihr „Homerecording“, ihre trotzige Einstellung oder ihre Pinken Haare? Das ist nicht leicht zu zuordnen. Schließlich ist eine Anti-Haltung, eine verzerrte E-Gitarre mit unangepasster Stimme nicht immer unbedingt gleich Punk. Vielleicht trifft die Beschreibung des Slam-Zins für die Band Elektrik Kezy MezySie pendeln zwischen euphorischem Punk und Urban Blues der übelsten Sorte.“ schon eher auch auf Lisiena zu. Denn Lisiena ist auch bipolar – sie pendelt zwischen Extremen und Aussagen. Sie ist voller Energie, aggressiv, widersprüchlich und kein Schubladen-Mädchen. Allenfalls referenziert sie den Blogger-Goth-Style wie ihn Urb Clothing zelebriert.

Ein Gespräch über Ehrlichkeit und Mut, den es braucht um im Musik und Kunstbetrieb man selbst zu bleiben.

Lisiena – wenn es um das Genre deiner Musik geht, heißt es du machst Hiphop-Punk. Das ist eine eigenartige Kombination und tatsächlich hört sich dein Debütalbum nicht wirklich danach an. Was sagst du selbst dazu?

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Tatsächlich stammt diese Information mit dem Hiphop-Punk schon von mir. Ich sage das öfters, weil mir der Widerspruch gefällt der darin steckt, wenn man diese beiden Genres zusammenbringt. Hiphop mache ich ja nur, wenn man vereinzelten Sprechgesang in meinen Songs als Hiphop zählt. Wenn es genau geht, fühle ich mich eher dem Grunge und Rock´n´Roll verbunden – da kommt Unterschiedliches zusammen. Ich mag laute Gitarre, die 90er, Nirvana, Guns´n´Roses und the Peaches. Was ich nicht gut finde, sind oberflächige Texte. Ich arbeite mit Disharmonien, in der Komposition und im Text. Mein Stil folgt keiner Logik, sondern Widersprüchen. Bei dem Song “Folded Handtowel” bricht der Refrain zum Beispiel komplett mit den Strophen. Interessanterweise hat das mit dem Hiphop-Punk bisher niemand genau hinterfragt. Meistens geht es bei Gesprächen um meine pinken Haare und meinen Style, was ich schade finde, denn ich will weniger über mein Aussehen reden, sondern mehr über meine Musik.

Das ist verständlich – aber du fällst natürlich schon mit deinem Style auf und wichtig ist dir ein gut durchdachtes Auftreten schon, oder?

Ja klar ist mir das wichtig, ich denke viel über meine Bühnenoutfits nach. Ich liebe Mode und Grafik, trage und kombiniere Symbole und Markenzeichen aus unterschiedlichsten Szenen. Trends entdecke ich sehr früh und intepretiere sie dann für mich. Aber ich trage auch schon Mal Sachen, die niemand für modisch deklarieren würde. Heute zum Beispiel die Hose – das ist eigentlich meine Skiunterwäsche. Ich probiere gerne aus, was möglich ist und mit was ich mich wohlfühle. Mich faszinieren die japanischen Teens und Emos, Gothic mag ich auch. Ich kombiniere von allen Szenen das passende für mich. Aber Guccitaschen trage ich nicht, das würde nicht zu mir passen – ich habe mir dafür einen Tussi-Beutel selbst gemacht. Der typische Jutebeutel, aber von mir bedruckt.

Du bist ein DIY-Exemplar aus dem Bilderbuch! Was machst du außer den Stoffbeuteln alles selbst?

Lisiena ist Marke Eigenbau. Ich schreibe und singe meine Lieder selbst. Mein gesamtes Album habe ich eigenständig produziert. Von den Aufnahmen über das Logo hin bis zur Gestaltung und den Druck – das ist alles von mir gemacht. Außerdem habe ich mein eigenes Label gegründet: Pineapple Records. Ich denke viele Leute die am Anfang ihrer Karriere stehen, nehmen für all das viel Geld in die Hand und investieren. Viel Geld habe ich nicht und Authentizität ist mir sehr wichtig. Also habe ich mir gesagt: „Lisiena du hast kein Geld. Du machst das jetzt selbst.“ Ich mache das wirklich gerne, ich lerne dabei schnell und viel.

Authentisch zu sein ist ja nicht so leicht. Hast du das Gefühl, dass Menschen in deinem Umfeld dich verbiegen wollen?

Ja, die Erfahrung mache ich oft. Ich bin zweisprachig aufgewachsen. Lange war ich nicht sicher in welcher Sprache ich singen wollte, bis ich mich letztendlich für Englisch entschieden habe. Ein Label hat mich ein Mal angefragt, aber nur unter der Bedingung, dass ich dann in Zukunft auf Deutsch singe. Das wäre aber für mich eben nicht mehr Lisiena gewesen. Als Kind habe ich schon in Englisch gesungen, ohne dass ich Englisch überhaupt verstanden habe. Oft schlagen Leute auch vor, ich soll doch was Exotischeres machen, mit Bezug auf meine Heimat Albanien, vielleicht auch auf Albanisch singen oder Belly Dance. Ich bin aber in Deutschland großgeworden und ich habe es nicht erlebt, wie es in Albanien ist und verbinde damit nichts – das wäre also nicht ehrlich, finde ich. Während meines Studiums wurde ich oft aufgefordert, mich zwischen der Malerei und der Musik zu entscheiden. Für mich ist das aber untrennbar und gehört beides zu mir. Mit der Zeit habe ich aber gelernt, dass ich alles machen kann, solange ich mich damit wohlfühle. Mit der Bühne, fühle ich mich sehr wohl und ich mag Wortfetzen aus meinen Songs auf meinen Gemälden.

Lisiena arbeitet gerade an ihrem zweiten Album – das Titellied „Oh my Groupie“ ist bereits auf der Compilation „Sound of Munich Now“ erschienen.

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In Lisienas Soundcloud reinhören:

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Bilder von Lisienas Auftritt bei Raumkommando im Biedersteiner Keller am 16.11.2012

Fotos: Selbstporträt und Malerei Lisiena/ Veranstaltung Natalie Mayroth

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