Diplomausstellung an der AdBK München und Ciao Kunststudium!

Selfie auf einer der Akademie Toiletten


So langsam lässt er nach, der „After-Exhibition-Hangover“. Das ist so ein etwas taubes Gefühl im Kopf, in der Gegend des Kreativzentrums, nach einer intensiven Ausbeute des Selbigen. Die Diplomausstellung ist seit zwei Wochen vorbei, in einem Monat bin ich auch das erste Mal in meinem Leben nicht mehr als Studentin eingeschrieben und daher warten die nächsten Tage tolle Aufgaben auf mich. Zum Beispiel: Mich bei der Künstlersozialkasse bewerben. Aber noch habe ich einen Monat Schonfrist und daher werde ich die nächsten Tage und auch diesen Diary-Beitrag damit füllen für mich festzuhalten, was ich eigentlich so die letzten neun Jahre Studienzeit – 3,5 Jahre Bachelor of Arts in Design und fünf Jahre Diplom in Medienkunst – für mich mitgenommen habe.

1. Die meiste Zeit habe ich Social Media studiert.

Das hat zwar dazu geführt, dass ich damit recht schnell mein Langzeitstudium und diverse Reisen finanzieren konnte. Nur spätestens letztes Jahr habe ich einen Satz für mich formuliert: Du wirst das, für was du dich bezahlen lässt. Daher: Der größte Idealismus kommt früher oder später an seine Grenzen. (Meiner zumindest.)

In urgent need of #internet abstinence 😱 #words #wordart #betruetoyourself #feelings #selfcontrol #awareness #artistlife #postinternet

Ein Beitrag geteilt von Veronika Christine Dräxler (@veronikachristine) am

2. Eine Kunstakademie lehrt keine Kunst, aber sie belohnt politische Strategie.

Mir ist es sehr schwer gefallen, den Studentenstatus loszulassen. Warum eigentlich? Weil ich sehr lange, sehr unsicher war, wo mein Platz im Leben ist. Student-Sein ist zumindest ein Status; der soweit auch angesehen ist. In meiner Zeit an der HFG Karlsruhe hatte Sebastian Baden in seinem Seminar „Emerging Artists“ in unsere Rund gefragt, wieso wir studieren. Etwa zum Spaß? Denn, dass sei es nicht, sondern hier gehe es darum, die Weichen der Karriere zu stellen. Ganz ehrlich, ich habe das Kunststudium anfangs schon als Spaß angesehen und erst diese Aussage hat bei mir ausgelöst darüber nachzudenken, wie ernst ich das Künstlersein nehmen will. Für mich war das Studium die Zeit, um „Wolke“ zu sein, also viele verschiedene Ich-Zustände und auch Jobs (nicht nur in der Kunstbranche) auszuprobieren. Aber ganz ohne Politik geht es eben leider in keiner Karriere.

3. Es geht nicht darum, ob ein Projekt realisierbar ist, sondern wie.

Meine Diplomarbeit war für mich eine sehr umfangreiche Arbeit. Meine Anfangs-Idee hätte ein Budget von über 100.000€ erfordert. Stück für Stück habe ich also über Monate daran getüfftelt, wie ich diese Idee mit einem für mich erwirtschaftbarem Budget und Zeitrahmen umsetzen kann. Meine Hauptarbeit war planen, telefonieren und E-Mails schreiben, um vor allem die über 500 Samsunghandys zusammenzubekommen. Nicht gerade das, was ich mir unter kunstschaffend vorgestellt hatte. Zudem das Umsetzen mit Auf- und Abbau dann im Gegensatz zur Vorbereitungsarbeit überraschend schnell getan war. Aber es war gut letztendlich sagen zu können: Sieht genau so aus, wie ich es im Kopf hatte.

Somit kann ich mich insgesamt sehr zufrieden aus meiner Studienzeit verabschieden. Nur eines kann ich wirklich nicht mehr hören: „Viel Erfolg“ – Wünsche.

There are 4 comments

  1. Thomas Degen

    „Aber ganz ohne Politik geht es eben leider in keiner Karriere.“ „Geschäftssinn und Unternehmergeist“ fände ich passender als „Politik“.

Was denkst Du?