Henrik Mauler | zeitguised

Sie lassen Stoffe wie bizarre Wesen tanzen: Henrik Mauler ist Teil von Zeitguised, einem achtköpfigen Kollektiv von Designern, Künstlern und Technologen in Berlin. Sie mischen Textil- mit Skulpturendesign und Algorithmen – und erschaffen in Videos und Bildern einen einmaligen strukturellen Look, den sie als digitale Kunst sowie Design präsentieren. Ein Gespräch anlässlich der UNPAINTED, der Münchner Medienkunstmesse, auf der Henrik mit seinem neuen Kunstlabel ffm.pe ausstellt. Sie findet vom Donnerstag, den 18. bis Sonntag, den 21. Februar 2016 in München statt.

geist.xyz from ZEITGUISED on Vimeo.

Für viele Künstler wäre es unvorstellbar ihre Kunst auch als Design zu bezeichnen. Werdet ihr dafür kritisiert?

Henrik Mauler: Auf jeden Fall. Aber das sehen wir als einen Befreiungsschlag. Der Kunstbetrieb ist ein Markt von Eitelkeiten und Machtspielen, in dem elitäre Mechanismen aufrecht erhalten werden. Das finden wir ziemlich oldschool. Und diese strenge Grenze zwischen Design und Kunst ist etwas sehr Deutsches. Hier gehört es zum guten Ton, dass man verschweigt, dass Künstler auch ihren Lebensunterhalt verdienen müssen. Da wird Künstlern eine Fähigkeit in Abrede gestellt, die sie besitzen. Es wird schweigend angenommen, dass ein Künstler Alimentationen bekommt, Stipendien und Mäzene hat. Das ist international gesehen lächerlich. Wir sind viel in anderen Ländern unterwegs, da ist es viel normaler, seine Kunst auch als Design anzubieten. So sehen wir das auch. Für uns existiert diese Grenze nicht. Natürlich darf man mit Designaufträgen Geld verdienen, man freut sich über Aufträge aus der freien Wirtschaft. Wir sind froh, dass wir uns über unsere kommerziellen Arbeiten frei machen und uns nicht bei Galeristen anbiedern müssen. Sie bestimmen längst nicht mehr den Diskurs, oder was interessant und akut ist in der visuellen Kunst.

Wer bestimmt den Diskurs?

Henrik Mauler: Er ist in sozialen Netzwerken und auf Plattformen angesiedelt. Die Kunst passiert außerhalb dessen, was man als den Kunstbetrieb ansieht. Was man in Galerien für neue Kunst hält, sind oft aus dem Internet abgemalte GIFs. Die großen Institutionen versuchen Strategien zu entwickeln, wie sie überleben können – in einer Welt, in der sie nicht mehr die Deutungshoheit haben. Die ist inzwischen im Fluss. Sie gehört niemandem, es gibt immer wieder neue Zentren. Blasen tauchen auf und platzen. Strukturen findet man täglich Neue. Die sozialen Medien sind sicherlich ein Machtwerkzeug in diesem Prozess. Aber ständig ziehen neue Leute die Macht an sich. Das sind unplanbare, dynamische Zusammenhänge von unten und nicht mehr von oben. Da findet eine spannende Ermächtigung des Einzelnen statt, die auch wieder konterkariert wird, weil sich doch alle wieder den neuen starken Stimmen zuwenden. Neu ist die Geschwindigkeit, mit der diese entstehen und wieder bedeutungslos werden. Das ist spannend, man kann nicht sagen, wo das enden wird. Irgendwie wird sich immer Signal vom Rauschen unterscheiden, oder Entropie gewinnt die Oberhand.

Comme des Organismes from ZEITGUISED on Vimeo.

Ihr stellt auf der Unpainted aus, einer Messe, bei der es um Kunstverkauf geht. Wie kann man digitale Kunst, also etwa eines Eurer Videos, verkaufen?

Henrik Mauler: Seit wir vor über 15 Jahren mit digitaler Kunst angefangen haben, suchen wir nach einer Möglichkeit, sie als originäres Werk zu verkaufen. Die Kopierbarkeit steht dem entgegen. Weil wir bisher keine passende Lösung für uns gefunden haben, haben wir unsere Sachen frei ins Internet gestellt. Nun gibt es da eine neue Plattform namens Niio, die wir bald nutzen wollen. Da liegt das Video verschlüsselt in einer Hardwarebox, die nicht kopierbar ist. Das ermöglicht einem, eine Edition oder ein Einzelwerk zu verkaufen. Die Plattform ist noch ganz jung, es sind mehrere Künstler daran beteiligt, etwa Oren Moshe. Er spricht darüber auf einem Panel auf der UNPAINTED am Freitag um 16.30 Uhr im MMA. Der Titel: „Über die Auswirkungen digitaler Medien auf unsere reale Welt“.

Mehr digitale Kunst sehen? Wir verlosen 3 x 2 Tickets für die UNPAINTED unter allen Kommentatoren bis Donnerstag, 13 Uhr. Die Gewinner werden im Anschluss benachrichtigt. Mehr Infos zur Messe: www.unpainted.de

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There are 8 comments

  1. Alide Amick

    „Media Art is the art of today, the art that people will remember in the future.“ – That’s the reason why I wish to be there!

  2. Daniel

    sehr spannend! Der Widerspruch zwischen nicht-kommerzieller Kritik und der Notwendigkeit, verkaufen zu müssen, wird aber auch hier nicht ganz aufgelöst….

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