#29 Klara Michel

Selfie – ein so neues und doch nahezu abgenutztes Wort. Aus dem zeitgenössischen Wortschatz und Lebensalltag ist es nicht mehr wegzudenken. Aber die immer gleiche Pose? Wir bitten jeweils Künstler um ein Selbstporträt und ihre Gedanken, die ihnen beim machen durch den Kopf gehen.

KS-teenagetigerkill„Ich fotografiere mich selten. Jedoch in Zeiten, in den es mir besonders schlecht geht, oder in Momenten, die unerträglich erscheinen, hilft es mir. An der Anzahl der Bilder merke ich, dass die Zeit vergeht.“

Teenage Tiger Kill alias Klara Johanna Michel, 25, inszeniert ihre Bilder ganz genau – das merkt man sofort, wenn man von ihr fotografiert wird. Klara Michel hat Veronika, Natalie und mich zu einem Shooting in eine Berliner Kirche geladen – die Bilder folgen bald. Geboren im Hessener Offheim studiert sie derzeit in Berlin am Lette-Verein Fotografie und arbeitet als Fotografin. Klara Michel erhebt Menschen in ihren Bildern zu einer Art Skulptur. Kalt und emotionslos, doch ebenso sinnlich und erhaben. Die analogen Fotografien koloriert sie per Hand nach. Sie kommt damit der Person und der Fotografie ein Stück näher. „Dies ist mein eigener Personenkult“, sagt Klara Michel. Um Kult und Okkultismus geht es auch in ihrer Abschlussarbeit, die sie im Juli 2016 ausstellen wird. Ihr Interesse für Personenkult vergleicht sie mit Geschichten wie Frankensteins Monster oder Golem. Beide verehren andere Menschen, um ihnen näher zu sein. Selten greift Klara Michel auf die Möglichkeit zurück, durch Fotografie sich selbst näher zu kommen. Anfang 2015 war das der Fall. Nach einer Trennung hat sie sich täglich mit einer Kleinbildkamera fotografiert. Die Serie half ihr, aus einem festgesteckten Gefühl zu entkommen.

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